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Robbie

Hi, ich bin es, der Murphy.
Im folgenden geht es um den Straßenhund Robbie aus Mazedonien, den mein Herrchen 2005 mit nach Deutschland gebracht hat und der seine Geschichte selber erzählt. Robbie wohnt mittlerweile im Hammer Raum, aber ich glaube, Herrchen hätte ihn auch sehr gerne bei uns behalten.
Ich selber habe Robbie 2-3 mal kurz auf dem Hundeplatz getroffen, ihn aber nicht wirklich kennengelernt. Ich habe nur gehört, Robbie fühlt sich in der neuen Heimat sehr wohl, hat aber weiterhin seinen unbändigen Freiheitsdrang. Das äußert sich dann in diversen Fluchtversuchen, Kurzausflügen und Karnickeljagden.

Guten Tag! 

Mein Name ist Robbie. Geboren bin ich vermutlich im Jahre 2004, auf dem Balkan, in Mazedonien, vermutlich im Stadtgebiet von Tetovo. Zu meiner Rasse kann ich keine genaue Auskunft geben. Wer weiß, welcher Hund da mal spontan wen lieb gehabt hat. 

Im ersten Teil meines Lebens war ich ein Straßenhund. Wegen meines menschen- und kinderfreundlichen sowie teilweise recht wohlerzogenen Verhaltens gibt es die Vermutung, dass ich vielleicht als Welpe zunächst eine Zeit in einer Familie verbracht habe. Es könnte sein, dass ich hinausgeworfen wurde, als diese Menschen merkten, wie groß ich wurde und wie viel Hunger ich habe. 

Etwa im März 2005 tauchte ich zum ersten Mal im Bereich um das Polizeigebäude Tetovo auf. Dort war die (mittlerweile verstorbene) alte Hundedame Micky Alleinherrscherin und Liebling der örtlichen Polizisten. Ich schloss mich an und fand eine Art von erster Freiluft-Heimat. Teilweise bekam ich Futter von diesen seltsamen Polizisten mit den komischen Uniformen, die nicht so aussahen wie die normalen Uniformen aus Tetovo. Teilweise suchte ich mir mein Futter selber zusammen, aus Mülltonnen, Müllbergen und anderen Quellen. Oder es gab halt mal länger gar nichts in den Bauch, was nicht selten vorkam. 

Meinen Namen bekam ich vom holländischen Polizisten Peter. 2-3 der internationalen Polizisten in Tetovo wurden immer mehr auf mich aufmerksam, da ich mich oft um das Gebäude herum aufhielt.

Im Laufe des Sommers merkte ich, dass mich ein deutscher Polizist wohl besonders gerne mochte. Ich bekam von ihm regelmäßig Trockenfutter. Immer wenn wir uns trafen, gab es ein paar kleine Leckerlis. Das war durchaus eine neue Erfahrung für mich, denn viele Menschen auf der Strasse schrieen mich an oder warfen mit Steinen nach mir. So richtig mochte mich bis dahin eigentlich keiner.  

Im Sommer 2005 hatte ich dann plötzlich eine Wunde am Oberschenkel hinten, außerdem humpelte ich über Wochen kräftig und es wollte einfach nicht besser werden. Das machte natürlich auch die Suche nach Fressen schwieriger. Die Menschen rätselten, ob ich vielleicht vor ein Auto gelaufen bin, oder angeschossen oder geschlagen wurde. 

Ich traf mich jetzt immer öfter mit dem Polizisten, er suchte mich auch abends manchmal in der Umgebung des Polizeigebäudes, und gab mir Trockenfutter, Fleisch mit Knochen, oder auch mal Lungenfleisch. Da habe ich einmal vor lauter Gier ein Riesenstück im Ganzen runtergeschlungen, so lecker war das. 

Eines Tages, am 24.08.05, wurde ich dann mit Frischfleisch in eines dieser blauen Polizeiautos gelockt. Meine erste Autofahrt war eigentlich ganz cool, ich saß hinten im Fußraum und wartete, was passiert. Es ging für drei Wochen in einen recht kleinen Käfig, im Hundeasyl Tetovo. Das war schon eine Umstellung im Vergleich zum Straßenleben. Aber das komische war, es gab immer reichlich zu Fressen und zu Trinken. Täglich wurde mein Käfig sauber gemacht, und ich wurde medizinisch versorgt. Jeden Tag mindestens einmal kam einer der netten Mitarbeiter dort oder der Polizist mit der komischen braungrünen Uniform, und ich durfte auf eine kleine eingezäunte Wiese, wo ich etwas rumtoben und mein Geschäft erledigen konnte. Ja ja, da war ich ganz stolz, ich war dort der einzigen Hund, der nicht in seinen Käfig gemacht hat. 

Der Polizist schaute mich dann eines Tages mal so komisch an und versprach mir, ich müsste nicht wieder zurück auf die Strasse, sondern ich würde nach Deutschland umziehen. Deutschland? Und dann? Gibt es da auch genug Müll für mich auf der Strasse?  

Ich wurde von den netten Tierärzten vom Hundeasyl kastriert, bekam einen Chip, eine Wurmkur und die erforderlichen Impfungen für die große Reise. Und ich bekam mit, dass die Organisation meiner Flugreise gar nicht so einfach war. Es gab ein ständige Hin und Her mit dem Termin, den Ausweisen, der erforderlichen Transportbox und und und… 

Dann war es aber am 17.09.05 soweit. Ich bekam morgens eine Beruhigungsspritze, ab in die Box und zum Flughafen nach Skopje. Alles lief gut, und man glaubt es kaum, als ich in Düsseldorf noch etwas betäubt aus der Box wankte, war da wieder dieser Polizist, bloß diesmal in zivil, und zusammen mit seiner Frau. 

Ab ging es über die Autobahn nach Ahlen-Vorhelm direkt zum Gelände des Vereins “Hund und Kult”. Dort wurde ich auf einer umzäunten Wiese laufen gelassen, und von meinem neuen Herrchen, dem Uli, in Empfang genommen. Mein Zwischen-Herrchen, den deutschen Polizisten, durfte ich erst im November wiedersehen. Wir hatten “Kontaktsperre”, weil ich mich erst mal in der neuen Heimat eingewöhnen muss, sagt der Uli. 

Auf jeden Fall sind dann die ersten Wochen in diesem “Deutschland” echt gut verlaufen. Ich fühle mich wohl bei Uli und habe von ihm und der Hundetrainerin Silke schon viel Neues gelernt. Mit den anderen beiden Hunden von Uli komme ich auch gut klar. Ich brauchte aber schon eine gewisse Eingewöhnungszeit in meinem neuen Rudel. 

Das Wort (Mords-) Hunger kann ich nun aus meinem Wortschatz streichen. Mir geht es einfach nur gut und ich kann mein Glück gar nicht fassen. Nachts habe ich es in Ulis Wohnung schön kuschelig, und ich muss mich auf der Strasse nicht mehr mit anderen Hunden streiten. 

Es folgen ein paar Bilder aus 2005, mit einigen erklärenden Kommentaren versehen. Über das weitere werde ich euch auf dem Laufenden halten.

Euer Robbie, der Ex-Straßenhund ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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